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Rechtsfindung – Studierende drehen einen Kurzfilm in Augsburg

Ein Theaterstück von Brecht, das zur Zeit des Nationalsozialismus spielt, soll für Jugendliche zugänglicher gemacht werden. Deutsche Geschichte in die Jugendarbeit integrieren? Hier erfahren Sie mehr...

Eine Gruppe von Studierenden aus ganz Deutschland dreht aktuell gemeinsam einen Kurzfilm in Augsburg. Grundlage des Films ist ein Theaterstück von Brecht, welches in Augsburg zur Zeit des Nationalsozialismus spielt. Gemeinsam mit dem Staatstheater Augsburg und einer Jugendgruppe arbeiten die Studierenden die Thematik des Faschismus in Augsburg vielfältig und kreativ auf. Als Ergebnis entsteht ein frei verfügbarer, unkommerzieller Kurzfilm mit professionellen Darstellenden. Ebenfalls wird ein komplett neues Theaterstück mit Jugendlichen entwickelt. Das Projekt versucht so ein reales Interesse unter Jugendlichen an der Thematik Rassismus, Ausgrenzung und der NS-Zeit in Augsburg zu wecken.

Ein zerschundener Kriegsveteran wird beim Arbeiten grundlos verprügelt. Ein Augsburger Richter bequemt sich dann
kurz vor dem Prozess sich das ganze anzusehen. Der Tathergang ist ja eigentlich klar. Zuversichtlich holt er sich Rat und geht den Fall durch. Aber: Das ganze wird zur Chefsache. Uniformierte sagen ihm, wer es nicht gewesen sein darf. Immer sind es andere. Mit jedem Rat wird es schlimmer. Der Höhepunkt ist der Krieg, der ihn auf seinem Schreibtisch endlich heimsucht. Plötzlich ist er da, mit all den Opfern, die er gnadenlos fordert. Dem Richter dämmert: Sein eigenes Leben steht auf dem Spiel und seine Familie haben sie ihm vermutlich schon genommen.

Fast schon kriminologisch wird im Kammerspiel Brechts ein Übergriff der SA auf einen jüdischen Ladenbesitzer und seine Aushilfe dargelegt. Dieser Fall landet in Augsburg vor Gericht und soll zur Zufriedenstellung aller beteiligten Personen gelöst werden. Dabei geht es aber immer weniger um Recht oder Unrecht, sondern darum, wer welche Auslegung des Falls durch Kontakte zum Staatsapparat beim Richter erzwingen kann. Dieser findet sich inmitten eines normalen Arbeitstages auf verlorenem Posten wieder. Ganz egal, wie er sich entscheidet wird er selbst Opfer der Machtspiele der Involvierten.

Pädagogischer Anspruch

Bei der Erarbeitung und Produktion des Filmes findet eine reale Einarbeitung in das Leben unter der NSDAP statt. Mit Jugendlichen aus Augsburg werden die Ideen und Konzepte zum Bühnenbild, des Kostüms, der Requisite sowie der Drehorte entwickelt. Dazu wird mit Kunst- und Geschichtslehrern sowie -trägern der freien Jugendarbeit kooperiert. Zu Beginn setzen sich die involvierten Jugendlichen mit Zeitzeugengesprächen und -dokumenten auseinander. Die Arbeit am Film stellt dann einen konkreten Projektbezug dar, anhand dessen ein erhöhtes Interesse an Detailfragen zum Alltag im 3.Reich in Deutschland und speziell Augsburg geschaffen wird. Für die technische Umsetzung wird mit Studenten im Bereich Medien, Film und Fernsehen zusammengearbeitet, die im Rahmen ihres Studiums eine entsprechende Leistung einbringen können.

Alle Bildrechte bei Johannes Wilczek

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